Tagesspiegel Interview mit Olav Birlem

„Die Erzeugung von Nano-Wiring-Strukturen ist eigentlich eine bekannte Technologie“, sagt Olav Birlem. Schon vor 20 Jahren habe man dazu weltweit geforscht. Die Technik war jedoch nur auf einer Fläche so groß wie eine Briefmarke anwendbar. „Wir haben es jedoch hinbekommen, dass die Härchen auf 300 mal 300 Millimeter innerhalb einer halben Stunde wachsen und so die Verbindung stärker zusammenhält. So wurde das Nano Wiring überhaupt erst industriell nutzbar.“ Mittlerweile sei die Verbindung so stark, dass man ein Haus daran aufhängen könnte. . – Olav Birlem, Geschäftsführer des Start-ups NanoWired

 

 

Olav Birlem ist CEO des Start-ups NanoWired GmbH, welches sich auf das Nano Wiring spezialisiert. Dabei handelt sich um eine Art Klettverschluss, der metallische Bauteile miteinander verbindet. Mittlerweile hat das Unternehmen 25 Mitarbeiter:nnen und wurde mit zahlreichen Auszeichnungen prämiert, unter anderem mit dem German Innovation Award und dem Hermes Award. 

Smarte Technik nützt der Umwelt

Wie die Technik funktioniert, das erklärt Birlem folgendermaßen: Man stelle sich einen Schwamm mit Elektrolyten vor. An der Unterseite habe dieser Schwamm eine spezielle, poröse Struktur, also viele Löcher. Diesen Schwamm drücke man mit einem Stempel auf ein Substrat, presse es fest und lasse Strom durchfließen. Dadurch entstehe ein galvanischer Prozess, der Metall abscheiden lasse. Weil das Metall nirgendwo anders hinkönne, als in die Poren, die draufgedrückt wurden, wachse das Metall in die Poren hinein. Nachdem der Schwamm weggenommen wurde, bleiben Härchen stehen – der Klettverschluss. 

Elektrobauteile nicht mehr durch Löten, Verdrahten oder Schweißen miteinander verbinden, sondern durch Kletten. Das halte nicht nur besser, sondern schone auch die Umwelt. „Wir reduzieren mit unserer Technologie den Energieverbrauch, erhöhen jedoch gleichzeitig den Wirkungsgrad“, so Olav Birlem. „Es braucht keine Schweiß- und Lötstraßen mehr. Das reduziert den CO2-Austoß dramatisch.“

Vorbild: Daniel Düsentrieb

Schon als Kind habe Birlem davon geträumt, Dinge zu erfinden. Aber nicht irgendetwas, sondern Gadgets, die nachhaltig etwas verbessern. Sein Vorbild: Die Comicfigur Daniel Düsentrieb aus den Lustigen Taschenbüchern. So kam er zur Elektrotechnik. Zuerst an der Universität, später als Berater für Unternehmen. Bis er vor einigen Jahren wieder zu seiner Ursprungsvision zurückkehrte – dem Erfinden. 

Entstanden ist dieses Unternehmen aus einer Forschungsgruppe an der TU Darmstadt. Gemeinsam mit weiteren Kollegen forschte Birlem zwei Jahre daran. 2017 entstand aus den Ergebnissen dann ein Unternehmen. „Wenn man die Welt verändern möchte, muss man auch wirtschaftliche Verantwortung übernehmen“, so Birlem. 

Das Startkapital für das Projekt legten vor allem Fördergelder vom Land, Bund, aber auch der EU. Die Suche nach Finanzierungsspritzen aus der Großindustrie hätte sich sehr zaghaft gestaltet. „Es würde helfen, wenn die Industrie stärker dazu motiviert werden würde, Gelder für die Entwicklung extrem disruptiver Technologienbereitzustellen“, so Birlem. „Gerade unter Corona wurde vieles im Bereich Entwicklung ausgebremst.“ Vera Deleja-Hotko

Drei Fragen an Olav Birlem: 

1) Welche Innovation wünschen Sie sich?

Die CO2-freie Produktion. 

2) Wer aus der Digitalszene hat Sie beeindruckt?

Bill Gates

3) Als Digitalminister würde ich…  …deutlich intensiver Manager mit universitären Teams verketten, damit deutsche, universitäre Innovationen besser am Markt Fuß fassen können.

Olav Birlem, Geschäftsführer des Start-ups NanoWired

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